'Ganesha macht die Türe zu' - mehr als nur ein Buch über Indien

Ich bin dankbar, dass dieses Buch den Weg zu mir gefunden hat! Wer mich ein bisschen kennt weiß: Ich LIEBE das Reisen, Spiritualität in all seinen Formen, tiefe Begegnungen, magische Momente, ehrliche Worte, die Buntheit des Lebens und vorallem: ausgiebiges und herzhaftes Lachen! Danke Andreas Brendt, all dies hast du möglich gemacht mit deinem wunderbaren Buch, und zwar ab der ersten Seite.

'Ganesha macht die Türe zu' ist mittlerweile das dritte Buch von Andreas Brendt, das wieder einmal von seiner ganz eigenen Geschichte und persönlichen Reiseerfahrungen erzählt. Diesmal entschließt sich Andi das Surfbrett zuhause zu lassen und auf dieser Reise für einige Monate das magische Indien zu erkunden. Er selbst möchte erfahren, was dort im Osten so passiert, die Lebensweise der Inder kennenlernen und eine Antwort darauf finden wieso es so viele Westler nach Indien treibt, was sie dort eigentlich suchen und vorallem ob sie fündig werden.

 

Während seiner Reise, die ihn unter anderem nach Goa, Hampi, Varanasi und Rishikesh bringt, kann man wunderbar mitverfolgen wie er immer wieder seine Komfortzone verlässt und in jeder Stadt durch seine ganz eigenen, tiefen Prozesse geht: durch die schönen und die weniger schönen. Denn am Ende ist und bleibt alles eine Erfahrung. Erfahrungen, die einem besonders das Reisen schenken. So verliebt er sich in Indien in eine Schamanin, nimmt an diversen feurigen und explosiven (Tantra-) Festivals teil, probiert sich durch zahlreiche verschiedene neue Formen der Meditation und taucht tief in die Geheimnisse von Sadhus und Gurus ein. So bunt wie Indien ist, so bunt sind auch Andis Geschichten. Ein Äffchen, das ihn ausraubt, bekiffte Heilige, Orgasmen jenseits dieser Welt und ohne Berührung… es gibt wohl tatsächlich nichts was es nicht gibt!

 

Ich möchte mit euch teilen wieso mich dieses Buch so verzaubert und gleichzeitig tief berührt hat. Vor ein paar Jahren bin ich selbst nach Indien gereist und durfte für kurze Zeit eintauchen in dieses Zauberland. Wie jede meiner Reisen, hat mich auch diese eingeladen andere Menschen, Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen. Vor allem aber durfte ich mich selbst und das Leben besser kennenlernen. Beim Reisen geht es für mich nicht darum wie viele Städte und Sehenswürdigkeiten ich gesehen habe sondern was diese Erfahrungen mit mir gemacht haben. Was und vor allem wie habe ich etwas erfahren? Was bedeutet diese Erfahrung für mich? Was fühle ich? Wie geht es mir damit? Was liegt auf emotionaler und seelischer Ebene hinter all diesen physischen Erfahrungen? Daher möchte ich auch hier in dieser Buch Rezension gar nicht so sehr auf die einzelnen Reisestationen eingehen sondern ein paar Abschnitte mit euch teilen, die euch den Raum eröffnen sollen in die dahinterliegende Essenz einzutauchen. Und wer noch mehr erfahren möchte, macht euch selber ein Geschenk und holt euch das Buch! Und am besten gleich noch weiterverschenken, so wie ich es getan habe ;)


 

Varanasi, die Stadt des Todes mit über 2.000 Tempeln und einem unendlichen Fundus an Legenden und spannenden hinduistischen Geschichten. Shiva, Hanuman & Co, alle sind sie hier vertreten. Die Verbrennungsrituale in dieser Stadt sind eine never ending story, 24Stunden sieben Tage die Woche. Die Verbrennung der Leichen und die anschließende Übergabe an den Fluss wird als Erlösung angesehen und gefeiert. Für Hindus ist dies das ultimative Ziel, die Befreiung vom Leiden und der Weg ins Nirwana. So gehen an den vielen Stegen des Ganges zahlreiche Opfergaben tagtäglich auf ihre Reise. Unzählige Blütenblätter und Kerzen schmücken den Fluss bis die Stadt des Todes in einem einzigen Lichtermeer endet.

 

Denn vielleicht ist der Tod eine Erinnerung zu leben.

 

"Oftmals sind es die kleinen Dinge, Orte, Menschen, die man in keinem Reiseführer finden kann, die strahlenden Gesichter, das Miteinander und die Lebensgelegenheiten, die im Anblick des Todes plötzlich ihre Einzigartigkeit entfalten."

 


 

Die Sadhus und ihre Welt aus Magie, Sanskritgenuschel und ewigen Mantras, einem Kosmos in denen die Götter walten. Gastfreundschaft und Lebensmut aller ist groß. Achja und da wäre noch der Keuschheitsgütel, eine Unterhose aus Eisen. Da bleibt berechtigterweise die Frage nach der Funktionsweise und dem Benutzerhandbuch.

 

„Vielleicht ist Sex oder das Verlangen danach die Ursache vieler Schwierigkeiten, vielleicht löst ein Keuschheitsgürtel jede Menge Probleme – aber es ist auch schad`."

 

 

"Jede Suche ist wie ein Fingerabdruck, sie ist individuell:

  • Manche finden beim Suchen. Dann ist der Weg das Ziel.
  • Andere erkennen, dass es nichts zu suchen gibt und sind zufrieden.
  • Und wieder andere, die Rastlosen, wollen erstmal alles sehen."

 

Die Gedanken, der Kopf, das Ego sind unsere Feinde. Pure Einsicht finde nicht mit den Gehirnsynapsen statt. Sondern im Herz. Oder im Bauch.

 

 

„Die Götter in Indien tragen einen Affen- oder Elefantenkopf, die in Köln sind mit Pappnase unterwegs. Inhaltlich gibt es keine Differenzen. Das erscheint verrückt, der Vergleich respektlos, aber vielleicht auch gerade nicht."

 


 

Rishikesh ist ein Kraftort wo sich die Pilgerwege vieler treffen um entweder in den Himalaya zur Quelle des Ganges zu gelangen oder in Rishikesh selbst zu verweilen um Yoga, Meditation und Askese zu praktizieren. Hier gibt es keine Autos, keine geteerten Straßen dafür aber 70.000 Menschen. Und etwas kühler ist es auch, die Barfußtage sind wohl vorbei. Flipflops und dicke Socken sind angesagt.

 

„Wenn Flipflops Urlaub sind, sind nackte Füße Freiheit. Nackte Füße, nackter Busen, nackter Po: Es muss kein FKK sein, aber barfuß gehen ist ein Gefühl. Am liebsten immer und überall. Barfuß tanzen, schlendern, am Strand entlang, durch den Wald, die Stadt […] das ist wie nackt saufen in Nicht-so-krass. Barfuß laufen ist wie der Sonnenschien, die Füße wollen atmen, sie möchten den Boden berühren, sie möchten mit der Erde in Verbindung sein.“

 

„Würde ich mir bei allem, was ich tue, diese Zeit und Muße und Liebe und Langsamkeit nehmen. Ich weiß es nicht, was dann passieren würde. Aber noch viel weniger weiß ich, warum ich das nicht einfach mache. Einfach, einen kurzen Augenblick fühle ich mich besessen. Von einem Schnell-schnell-Dämon, der mich in seinen Klauen gefangen hält, der unsere Gesellschaft durch die Gegend hetzt. Jetzt und hier, oh, wie wunderbar, scheint er zu schlafen.“

 

You say: All you want is freedom.

 

I say: If you want nothing you are free.

 

 

Mojji, vier Wochen lang Satsang und jede Menge burning questions dabei ist es doch eigentlich so einfach:

 

„Das True Self ist ohne Anfang, ohne Ende, ohne Angst, ohne Sorge, ohne Verlangen, ohne Gier, und wenn man den heiteren Mann da eben so betrachtet, wird dieser spirituelle Singsang plötzlich ganz schön realistisch. Er hat es erkannt. Es ist simpel. Wir haben Tomaten auf den Augen.“

 


 

Curry, Curry und nochmal Curry. Und unzählige kleine Läden und Buden die von Jungs geführt werden, den vielleicht wahren Gurus Indiens.

 

„Für mich sind sie Gurus. Ein Guru ist jemand, der den Suchenden aus der Dunkelheit /Gu) ins Licht (Ru) führt. Wenn ein kleiner Funke von ihrem Feuer mein Herz berührt, wird das Leben heller. In diesem Laden tobt die Zuversicht. Echte Gurus, keine zwanzig Jahre alt. Oft sind es die einfachen Menschen, die ich so bewundere.“

 

"Curry, yes very spicy please!" - “An dem Tisch mit Menschen in Winterklamotten sitze ich 15 Minuten später wie ein Aussätziger halbnackt in einem pitschnassen T-Shirt. In meiner Fresse wütend ein Vulkan. Das Schlimmste ist, dass ich auch nicht aufhören kann zu essen. Das ist Folter: superlecker, aber Feuerschmerzen, die sich in meinen Schleimhäuten brennen. Ihre Glut breitet sich in meinem Körper aus. Ole lacht sich kaputt, die Kellner sind besorgt, weil auf meinem haarlosen Haupt erbsengroße Schweißperlen kullern.“

 


 

„Wir sind drei Menschen, die auf unterschiedlichen Lebenswegen hier in diesem Yogaraum gelandet sind. Wir kennen uns nur im jetzt. Wir sitzen zusammen, blicken uns in die Augen. Es ist nicht nur das Yoga, das uns verbindet, es ist das Menschsein.“

 

 

In Indien geht immer alles gut. Aber jünger wird man davon nicht.

 

“In India how many people fit in the bus?

 

- All of them.”

 


** Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Conbook Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle vielen lieben Dank! Ich möchte trotzdem betonen, dass das Geschriebene meine ganz persönliche Meinung widerspiegelt.